Mädchen und Jungen stärken                               
                            gegen Ausgrenzung und Gewalt

geschlechterreflektierende und transkulturelle Gewaltprävention 
in Kooperation mit Schulen 


Ziel des Projektes ist die strukturelle Verankerung geschlechtsbewusster und interkultureller Ansätze gegen Ausgrenzung und Gewalt in Kooperation zwischen Schule, offener Jugendarbeit und Jugendhilfe.

Schule als Ort, an dem jedes Mädchen und jeder Junge erreicht werden kann

Als Modellprojekt startete 2007 die geschlechterreflektierende Jugendarbeit in Kooperation mit der Realschule Syke. Inzwischen haben 366 Mädchen und Jungen an den jährlich durchgeführten Workshops teilgenommen. 

Von September-Dezember 2011 findet zum vierten Mal das Projekt „Mädchen und Jungen stärken gegen Ausgrenzung und Gewalt“ statt. Das Projekt wurde zum ersten Mal im Frühjahr 2007 mit den 8. Klassen der Realschule Syke durchgeführt.  Ermöglicht wird diese Kontinuität durch die maßgebliche finanzielle Förderung der Stadt Syke und SpenderInnen.

Durch die enge Kooperation und Kontinuität mit der Schulleitung, dem Kollegium und den Eltern und in einem breiten Kooperationsbündnis wird die Nachhaltigkeit und strukturelle Verankerung geschlechterreflektierender und interkultureller Ansätze gegen Ausgrenzung und Gewalt angestrebt und kontinuierlich weiterentwickelt.

Teilnehmende sind in diesem Jahr  45 Mädchen und 45 Jungen im Alter von 13 - 15 Jahre aus den 8. Klassen der Realschule Syke, je 3 Mädchengruppen und 3 Jungengruppen.

 


                                                                                                                                                            Kreiszeitung 16.09.2010

KooperationsparnerInnen:

  • Realschule Syk

  • Mädchenkulturhaus Zebra Orange / 
    Verein für sozialpädagogische Hilfen e.V.
    Renate Bühn
    , Dipl. Sozialpädagogin und 
    Sara Appelhagen, interkulturelle Pädagogin

  • Stadt Syke

  • Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Syke

  • Fachstelle für Gewaltprävention Bremen 
    Paul Th. Ewert, systemischer Psychotherapeut und 
    Johannes Hofmann, Dipl. Psychologe

  • Projekt Intakt, Verein zur Förderung ganzheitl. Bildung e.V.  

Grundlage des Präventionsprojektes ist eine geschlechterreflektierende und transkulturelle Differenzierung in der Auseinandersetzung mit Gewalt

Im Mittelpunkt steht dabei die Lebenswelt von Mädchen und Jungen:

·        ihre Lebenssituation und – umstände

·        ihre unterschiedliche Betroffenheit von struktureller und direkter 
(u.a. sexueller und rassistischer) Gewalt,

·        der unterschiedliche Umgang, und die unterschiedlichen Bewältigungsstrategien 
von Mädchen und Jungen mit Gewalt und Gewalterfahrung

 

Projektziele

Mädchen und Jungen in ihren Auseinandersetzungs-, Bewusstwerdungs- und Veränderungs- prozessen mit Geschlechtsrollenstereotypen, Ausgrenzung, struktureller und direkter Gewalt nachhaltig zu fördern und zu begleiten. In allen Zielen und Methoden sind interkulturelle Zielsetzungen eingebunden.

Mit spezifischen mädchen- und jungenfördernden Methoden können in jeweils mehrtägigen Workshops Prozesse des sozialen Lernens, des respektvollen Lebens und Handelns miteinander in der längerfristigen begleiteten Reflexion in Gang gebracht und verinnerlicht werden. Mädchen und Jungen sollen in ihren Kompetenzen, Fähigkeiten und Ressourcen gefördert und bestärkt werden mit dem Ziel der Sensibilisierung, Selbstreflexion und Selbststärkung: 


·        Förderung von eigenverantwortlichem Handeln 

·        Erweiterung des eigenen Handlungsspektrums

·        Mädchen und Jungen zu ermächtigen, Ausgrenzung, (sexualisierte) Gewalt 
      und Rassismus wahrzunehmen, 

·        um sich in Konfliktsituationen besser schützen bzw. eingreifen 

·        und gewaltfreie Lösungsstrategien selbst entwickeln zu können. 

 

Lebenssituation von Mädchen - Mädchenworkshops:

Viele Mädchen haben Erfahrungen mit Diskriminierung und Ausgrenzung aufgrund ihres Geschlechts, ihres Körpers, ihrer Herkunft oder des sozialen Hintergrunds. 
Zudem sind sie oft aktiv an Ausgrenzung, Mobbing und Gewalt selbst Ausübende oder beteiligt.

Die geschlechterreflektierenden Module bieten den Mädchen hierfür einen geschützten, diskriminierungs- und angstfreien Raum, in dem sie sich über Rollenstereotypen, Erfahrungen mit Gewalt und gesellschaftlicher Entwertung auseinandersetzen können, gleichermaßen aber auch eigene aktive Beteiligung an Ausgrenzung und Gewalt reflektieren können. 

Dies ist die Voraussetzung für eine von Wünschen, Bedürfnissen und Fähigkeiten der Mädchen bestimmte Lebensperspektive. Ziel der Workshops ist, Mädchen zu bestärken und zu ermächtigen, sich selbst als Handelnde zu erfahren, als Gestalterin der eigenen Identitätsvielfalt jenseits von Stigmatisierung, Körper- und Rollenzuschreibungen.
 


Lebenssituation von Jungen - Jungenworkshops: 

Viele Schwierigkeiten von Jungen haben geschlechtsspezifische Ursachen, die ihren Kern in einer Orientierung an idealisierten und unerreichbaren Männlichkeitsbildern haben. Jungen sind in ihrer Sozialisation und Lebensrealität mit einem Männlichkeitskonzept konfrontiert, das Dominanz, Stärke und Macht als zentrale Eigenschaften beinhaltet. Jungen sind in ihrer Sozialisation und Lebensrealität mit einem Männlichkeitskonzept konfrontiert, das Dominanz, Stärke und Macht als zentrale Eigenschaften beinhaltet. Dieses Bild schließt Gewaltanwendung zur Durchsetzung eigener Interessen nicht aus. Gewalt gegen das eigene oder das andere Geschlecht wird nach wie vor trotz aller gegenteiliger Bemühungen gesellschaftlich toleriert und akzeptiert als ein Bestandteil der männlichen Identität (“Jungen sind eben so...”). Dieses Männlichkeitsbild ist zwar nicht das einzige, aber das vorherrschende, mit dem sich alle Jungen auseinander setzen müssen, viele unter einem Anpassungsdruck leiden und oft selbst Opfer sind.

Für die Arbeit mit den Jungen ergibt sich daraus das Ziel, gemeinsam unerreichbare Männlichkeitsideale zu thematisieren und in Frage zu stellen und damit die Jungen zu entlasten. 
Des weiteren soll in der Jungengruppe der alltägliche Umgang unter den Jungen und zu Mädchen reflektiert werden. 

Die geschlechterreflektierenden Module bieten den Jungen hierfür einen geschützten Erfahrungsraum jenseits stereotyper Verhaltensweisen, in dem neue Verhaltensweisen erprobt werden können. Das Ziel ist dabei, Jungen in ihren eigenen Stärken und Fähigkeiten wahrzunehmen und zu fördern, den Druck rigider männlicher Idealbilder abzubauen und eine Integration von entwerteten Eigenschaften, die sie aufgrund einengender Männlichkeitsbilder nicht zulassen, zu ermöglichen. 

Dies bedeutet, Jungen mit ihren Problemen
ernst zu nehmen und sie darin zu unterstützen, die eigenen Grenzen und die anderer wahrzunehmen und zu achten und so Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen, Gewalt gegen Mädchen und andere Jungen entgegenzuwirken. Mittels Erfahrungsberichten, Diskussionen und Rollenspielen soll es für die Jungen möglich werden ihre Täter- und Opferanteile zu reflektieren und alternative Handlungsoptionen kennen zu lernen.

 

Rahmenbedingungen der Workshops mit den Schüler/innen

In geschlechtshomogenen Workshops können sich Mädchen und Jungen mit unterschiedlichen Aspekten von Ausgrenzung, struktureller und direkter Gewalt (sozialer, kultureller und religiöser Unterschiede, Hautfarbe, sexueller Orientierung, Behinderung, etc.) miteinander aus einander setzten, die eigene Haltung in der gemeinsamen Diskussion reflektieren und in Veränderungsprozesse eintreten.

Prozessorientierte methodische Angebote schaffen dabei Anregungen sich auszuprobieren, die eigene Identität und Lebenswelt und die der anderen zu erfahren und wertschätzen zu lernen.

Geschützter Rahmen /Vertraulichkeit geschützte Räumen (frei von Bewertung und außerhalb der Schule) 

Begleitung durch jeweils zwei qualifizierte Fachkräfte aus der Mädchen- und Jungenarbeit. 
Die geschlechterreflektierende Angebote werden von qualifizierten Fachkräften durchgeführt, die sich kritisch mit Fragen ihrer eigenen Identität, Herkunft und ihrer gesellschaftlichen Rolle als Frau bzw. Mann auseinander gesetzt haben und über langjährige Erfahrung in geschlechtsbewusster und antirassistischer Mädchen- und Jungenarbeit verfügen, transkulturelle Teams werden angestrebt.

 

Nachhaltigkeit

Parallel dazu wird durch die enge Zusammenarbeit, mit der Schulleitung, dem Kollegium und den Eltern die Nachhaltigkeit und Kontinuität der Workshops als strukturelle Verankerung angestrebt.